22.12.2008 Luzern: Schneeball rollte bis in die Schweiz - Etliche CH-Banken betroffen - Bank Reichmuth gibt bisherige Schritte im Betrugsfall Bernard L. Madoff bekannt
 Bernard L. Madoff |
Die vom Betrugsfall Madoff betroffene Privatbank Reichmuth informiert über die "zum Schutze der Interessen unserer Kunden und Investoren eingeleiteten Maßnahmen":
1. Zeitnahe Information und Dokumentation der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) Nach der proaktiven Information an unsere Kunden und Revisionsstelle haben wir unsere Aufsichtsbehörde, die Eidgenössische Bankenkommission, umgehend über die aktuelle Lage betreffend Reichmuth Matterhorn informiert und dokumentiert. Die schnelle und transparente Kommunikation wurde von dieser Behörde geschätzt.
2. Rechtliche Unterstützung Um die Rechte unserer Investoren in Reichmuth Matterhorn gegenüber den betroffenen Fonds wahrzunehmen, haben wir zu Beginn dieser Woche ortsansäßige Anwaltskanzleien in Zürich, New York, Irland, Luxemburg, den British Virgin Islands und den Cayman Islands mandatiert.
Sämtliche von uns mandatierten Anwälte sind sorgfältig ausgesucht, werden bis Ende dieser Woche vollumfänglich dokumentiert und haben die Arbeit bereits aufgenommen. Die Tatsache, daß wir an allen o.g. Orten ausgewiesene Spezialisten verpflichten konnten, zeigt, daß wir auch in dieser Hinsicht zu den Ersten gehören, welche umgehend rechtliche Schritte eingeleitet haben.
Wie Sie der Presse entnehmen konnten, gibt es in der Schweiz zahlreiche Geschädigte. Aus diesem Grund prüfen wir das Zusammenlegen der Kräfte, d.h. ein koordiniertes Vorgehen mit anderen Betroffenen. Sollte uns dieser Weg als zielführend erscheinen, werden wir diesen aktiv forcieren.
3. Wahrung der Interessen aller Kunden und Investoren Die Wahrung der Interessen unserer Anleger ist das oberste Ziel der Fondsleitung. Aus diesem Grund werden zurzeit in enger Zusammenarbeit mit unserer Revisionsstelle und weiteren Fondsspezialisten Optionen geprüft, wie bestehende Investoren von einer allfälligen zukünftigen Aufwertung der zurzeit wertberichtigten Fonds profitieren können.
Im Dialog mit den hiesigen Behörden und Branchenvertretern werden wir entsprechende Lösungsvorschläge diskutieren und in der Folge umsetzen. Selbstverständlich halten wir Sie über weitere Schritte auf dem Laufenden.
Wir tun alles, um die Interessen unserer Anleger zu schützen und bedauern zutiefst, daß Sie mitbetroffen sind in diesem unglaublichen Betrugsfall, schreibt die Privatbank am Schluß der Information vom Freitag.
Zusammenhängende Berichte:
13. Dez. Bank Reichmuth, Luzern
Bericht der St. Galler Kantonalbank-Gruppe vom 16.12.2008
Weitere Verweise
Anklageschrift im Strafprozeß (U.S. v. Madoff; 08-MAG-02735)
Anklageschrift im Zivilprozeß (SEC v. Madoff, BMIS LLC; 08-CIV-10791)
Hintergrund:
Madoff war bis Dezember 2008 Vorstand der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC, die er 1960 gegründet hat. Zusammen mit seinem Bruder gründete er zudem Cohmad Securities. Das Ehepaar Ruth und Bernard Madoff wirkte als Spender wohltätiger und kultureller Einrichtungen, und sie waren Mitglieder im Vorstand mehrerer Theater, Stiftungen und Colleges.
Bekannt wurde Bernard Madoff durch seine Führungsrolle bei der New Yorker Technologiebörse NASDAQ und durch Anlagebetrug im Umfang von rund 50 Milliarden US-Dollar. Madoff entstammt einer jüdischen Familie aus New York.
Mit einer Ersparnis von 5.000 Dollar aus Ferienjobs als Rettungsschwimmer und Installateur für Gartenbewässerungsanlagen gründete er 1960 eine Investmentfirma, die zehn Jahre später eine große Anzahl Kunden aufwies, die er vornehmlich in Country Clubs der Hohen Gesellschaft, wie dem Palm Beach Country Club, gewonnen hatte.
Madoff wirkte an der National Association of Securities Dealers (NASD) mit, die den NASDAQ regulierte. Sein Unternehmen war eine der treibenden Kräfte bei der Entwicklung desselben, und er war persönlich ab 1990 Chairman des Board of Directors und Mitglied des Board of Governors.
Am 16. Dezember gab Fortis bekannt, durch indirekte Investitionen bis zu einer Milliarde Euro verloren zu haben.
Unter den prominenten Privatinvestoren finden sich neben dem Ehepaar Shapiro auch Steven Spielberg sowie sein Geschäftspartner und Chef von DreamWorks Animation, Jeffrey Katzenberg.
Laut Herald Sun ist auch seine gemeinnützige Stiftung, die Wunderkinder Foundation betroffen.
Irwin Kellner, Wirtschaftswissenschaftler bei MarketWatch, verklagte nach diesem Beitrag des Herald Sun Bernard Madoff am 16. Dezember auf 2,2 Millionen Dollar Schadensersatz. Auch Organisationen städtischer Angesteller, wie das employees board sowie das police und das fire board, die 971 Arbeiter vertraten, hatten 41,9 Millionen Dollar investiert.
Laut Reuters sind keine deutschen Banken betroffen, jedoch, nach Informationen der Financial Times Deutschland rund 20 frei vertriebene Dachfonds und Zertifikate und damit private Kunden. Danach erfolgten deren Investitionen „offenbar über den Umweg zweier von Österreich aus vertriebener Fonds mit den Namen "Thema US Equity" und "Herald US Absolute Return"“.
Vertreiber war die Wiener Privatbank Medici. Weiter hieß es: „Die ... Gesellschaften - Frankfurt-Trust, Ampega-Gerling, Carat, Alceda und Universal-Investment - mußten den Wert der beiden Fonds in ihren Portfolios auf einen Wert von 10 Cent abschreiben. Entsprechend sank auch der Kurs der Dachfonds ab.“ Dies ist ein Hinweis auf weitere Schäden, die Kunden durch veränderte außerbörsliche und börsliche Bewertungen entstehen.
Im Artikel heißt es zudem „Die Depotbank, eine irische Tochtergesellschaft der Großbank HSBC, ist für die Verwahrung der Vermögensgegenstände im Fonds verantwortlich. Sie haftet auch gegenüber Anlegern, wenn sie den Verwahr- und Prüfpflichten nicht nachgekommen ist. Wirtschaftsprüfer ist PricewaterhouseCoopers.“
Nach Medienberichten ist auch eine Pensionskasse von Shell betroffen, die nach eigenen Angaben Verluste von rund 29 Millionen Euro hinnehmen muß. Madoff hat die Anwerbung immer neuer Investoren bis zuletzt persönlich betrieben, doch hat ein Teil der von ihm Angeworbenen weitere Investoren angesprochen.
Unter ihnen ist der am härtesten von Verlusten betroffene die Fairfield Greenwich Group. Diese Gruppe verwaltete seit Anfang der 80er Jahre Investorengelder im Umfang von 14,1 Milliarden Dollar. Geleitet wurde sie von Walter Noel, dessen vier Schwiegersöhne, die aus Kolumbien, der Schweiz und Italien stammen, nach einem Beitrag des International Herald Tribune die Anwerbung von Neukunden in Europa und Südamerika betrieben.
Das Unternehmen gab an, 7,5 Milliarden Dollar verloren zu haben, was vor allem auf den Fairfield Sentry fund zurückzuführen ist, der ausschließlich bei Madoff investierte. Von den Investoren verlangte es 1 % der Einlage, dazu 20% von den Gewinnen.
Die in Manhattan ansäßige Fairfield-Greenwich-Gruppe arbeitete wiederum mit Jeffrey Tucker, einem ehemaligen Angestellten der Securities and Exchange Commission zusammen, sowie Andrés Piedrahita, dem Ehemann von Corina Noel, einer der fünf Töchter von Walter Noel. In Italien warb Lisina Noels Ehemann, Yanko Della Schiava, im schweizerischen Lausanne Alix Noels Ehemann Philip Toub.
Der Finanzmakler besitzt Immobilien in der Upper East Side Manhattans, den Hamptons, Palm Beach und Paris. Zusammen mit seiner Frau Ruth wirkte er als Philanthrop und Spender für Colleges, Theater, Bildungseinrichtungen, jüdische Charity-Organisationen sowie als Kunstmäzen.
Bernard L. Madoff Investment Securities-Logo Madoffs Firma Bernard L. Madoff Investment Securities LLC agierte vor allem als Broker an der Börse, aber auch als Investor. Sie ist in einen der größten Betrugsskandale verwickelt, die die Börse New York erlebt hat. Das Wall Street Journal meinte, es sei ein Vorgang, der „sich als der größte Finanzbetrug der Geschichte erweisen könnte“.
Das Unternehmen ist als so genannter Market Maker tätig. Das Broker-Haus verwaltete Anlagegelder für vermögende Kunden und, nach Angaben der New York Times, zwei dutzend Hedgefonds mit 17 Milliarden Dollar. 1970 stieg sein Bruder Peter B. Madoff in das Geschäft ein.
Er leitete zusammen mit seinem Bruder Cohmad Securities, ein Unternehmen, das im selben Gebäude ansäßig war, wie das Unternehmen Bernard Madoffs.Im Dezember 2008 wurde Madoff vom FBI verhaftet und soll wegen Betrugs vor Gericht gestellt werden. Die U.S. Securities and Exchange Commission hat das verbliebene Vermögen von rund 70 Millionen Dollar eingefroren.
Insgesamt geht es bei dem über Jahrzehnte durchgeführten Schneeballsystem um rund 50 Milliarden Dollar, rund 38 Milliarden Euro. Madoff wird vorgeworfen, er habe versprochene Gewinne aus immer neuen Kundeneinlagen ausbezahlt, was sich im Laufe der Zeit auf Verluste von 50 Milliarden Dollar summiert habe. Als einer seiner Kunden mehrere Milliarden an Einlagen zurückforderte, brach das System zusammen.
Die Securities and Exchange Commission erhob daraufhin am 11. Dezember 2008 Anklage. Der Fall ist am US Bezirksgericht in Manhattan (U.S. District Court for the Southern District of New York, Manhattan) mittlerweile unter der Bezeichnung US versus Madoff, 08-MAG-02735, anhängig.
In einer Funktion ähnlich der eines Ermittlungsrichters (genauer als US Magistrate Judge) tritt Gabriel Gorenstein auf. Anscheinend hatte Madoff vor, sich zu stellen, nachdem sein System, das wohl mindestens seit 1990 betrieben wurde, kurz vor dem Zusammenbruch stand. Seit Dezember 2007 bestanden Probleme, weil Kunden im Zuge der Finanzkrise ihre Einlagen abzogen. Aus den Klageschriften geht hervor, daß Madoff auch seine Söhne Andrew und Mark betrogen hat.
Nachdem er ihnen am Abend des 10. Dezember eröffnet hatte, daß von den Milliarden der Anleger nur noch 200 bis 300 Millionen Dollar übrig waren, hatten die Brüder Anwälte verständigt und die Behörden eingeschaltet.
Für die Prüfung der Bücher waren laut der New Yorker Anlageberatung Aksia die Firma Friehling & Horowitz verantwortlich, eine Firma mit drei Angestellten: einem 78-Jährigen in Florida, einer Sekretärin und einem 47-jährigen Buchhalter in einem 21,7 Quadratmeter großen Büro in New York.
Bernard Madoff ist zwar gegen 10 Millionen Dollar Kaution freigekommen, darf aber den Bundesstaat New York nicht verlassen. Am 17. Dezember wurde ein erster vereinbarter Gerichtstermin abgesagt, Madoff erklärte sich bereit, eine elektronische Fußfessel zu tragen und seinen Paß abzugeben, seine Frau Ruth gab ihren Paß ab, obwohl sie nicht beschuldigt wird.
In einem Bericht von TheStreet.com heißt es, US Attorney General (Chefankläger) Michael Mukasey habe sich nach Mitteilung des Justizministeriums aus dem Verfahren zurückgezogen, weil sein Sohn Marc Mukasey, Frank DiPascali vertritt, einen gehobenen Angestellten in Madoffs Unternehmen. Mit Stand vom 16. Dezember 2008 sind unmittelbar Geschädigte unter anderem Emittenten verschiedenartiger Investmentfonds, aber auch wohlhabende Privatpersonen, wie:
* Fairfield Sentry Ltd, ein Hedgefonds der Walter Noel's Fairfield Greenwich Group. Laut Bloomberg (s. u.) handelt es sich um den größten Verlust. Er soll bei 7,3 Milliarden Dollar liegen, und umfaßt damit mehr als die Hälfte seiner Gesamtanlagen von 14,1 Milliarden Dollar.
* Die Kingate Global Fund Ltd, ein Hedgefonds der Kingate Management Ltd.
* Der Hedgefonds Bramdean Alternatives von Nicola Horlick in London.
* Die Maxam Capital Management LLC, gegründet von Sandra Manzke, verlor rund 280 Millionen Dollar. Frau Manzke war selbst eine derjenigen, die Investoren an Madoff vermittelten.
* Die Tremont Group Holdings Inc., ein Hedgefonds der Oppenheimer Funds Inc., hatte die Hälfte seines Anlagevermögens, rund 3,1 Milliarden Dollar bei Bernard Madoff investiert, wie Bloomberg am 16. Dezember meldete.
Die Robert I. Lappin Charitable Foundation, eine karitative jüdische Organisation in Salem, Massachusetts, die beispielsweise Reisen jüdischer Kinder nach Israel finanzierte], mußte in Folge der Entwicklungen am 12. Dezember 2008 Konkurs anmelden.
Die Schweizer Banque Benedict Hentsch Fairfield Partners SA mit Sitz in Genf gab bekannt, daß sie 56 Millionen Schweizer Franken (47,5 Millionen US-Dollar) ihrer Kunden bei Madoff investiert habe.
Nach diesem Bericht sind auch Carl und Ruth Shapiro, wichtige Spender für das Museum of Fine Arts, aber auch die Brandeis University und das Beth Israel Deaconess Medical Centre betroffen.
Allein die Shapiros haben danach die Hälfte ihres Vermögens, rund 220 Millionen Dollar, eingebüßt. Ebenfalls geschädigt wurden Avram und Carol Goldberg, die früheren Besitzer von Stop and Shop, einer Supermarktkette, sowie Stephen Fine, Präsident der Biltrite Corp.
Wie Reuters berichtet, haben allein Schweizer Banken 4,22 Milliarden Dollar verloren. Allein die auf Hedgefonds spezialisierte Union Bancaire Privée, die im Juni noch 127 Milliarden Schweizer Franken verwaltete, verlor nach eigenen Angaben 800 Millionen Schweizer Franken.
Die Bank Benedict Hentsch war erst im August mit Fairfield Greenwich Group fusioniert worden, die 7,5 Milliarden Dollar bei Madoff angelegt hatte. Auch die EIM Group, die 2 % ihres Kapitals, oder 220 Millionen Dollar bei Madoff investiert hatte, zählt zu den Geschädigten. Ebenso betroffen sind Notz, Stucki & Cie, von denen noch keine Zahlen vorliegen, sowie Benbassat & Cie.
Nicht betroffen ist nach eigenen Aussagen Credit Suisse. Bei den Schäden ist beim derzeitigen Stand der Ermittlungen noch nicht auszumachen, in welchem Ausmaß die Banken selbst oder ihre Kunden betroffen sind.
So sind 500 Kunden der Hyposwiss Genf betroffen, damit jeder vierte Kunde. Der Betrug kostet diese Kunden 175 Millionen Franken. Hyposwiss, die der St. Galler Kantonalbank gehört, betreut vermögende Anleger mit Portefeuilles von drei bis zehn Millionen Franken.
Syz & Co sowie Pictet sind nach eigener Aussage nicht betroffen, ebenso Lombard Odier Darier Hentsch, Mirabaud und die Man Group, GAM (von Julius Bär, Gottex und Rotschild kontrolliert).
Die Bank Julius Bär teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, es gebe keine Schäden, die UBS teilte mit, die Schäden seien bedeutungslos. In Österreich sind vor allem Privatanleger geschädigt worden, nach Schätzung der Nationalbank um rund 350 Millionen Euro.
Sie hatten in Primeo-Fonds von Pioneer Alternative Investment Management, die zur UniCredit in Mailand gehören, und in Herald Fonds der österreichischen Bank Medici investiert, die in Wien ansäßig ist.
Das Unternehmen gehört zu einem Viertel der Bank Austria, der Rest gehört Sonja Kohn, die die Regierung in Wirtschaftsangelegenheiten beraten hat, und die Chairwoman der Bank ist.
Am 18. Dezember gab der ehemalige Börsenchef Stefan Zapotocky seinen Sitz im Kontrollgremium der Banken-Österreichische Industrie-Holding AG Fimbag auf. Er hatte im Board des von Madoff gemanagten Fonds Alpha-Prime gesessen.
In Italien ist bisher der Fonds Pioneer Alternative Investments der Bank UniCredito betroffen, der in Dublin ansäßig ist. Es handelt sich um 75 Millionen Euro. Mediobanca verneinte jede Investition bei Madoff, räumte aber am 16. Dezember ein, mit 671.000 Dollar über die Compagnie Monegasque de Banque investiert gewesen zu sein.
In Frankreich meldet die BNP Paribas Verluste von 350 Millionen Euro. Sie soll nicht direkt, sondern über den Handel und durch Kredite in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Der Finanzdienstleister Natixis weist bisher Verluste von rund 450 Millionen Euro auf.
Die Société Générale war nach eigenen Angaben mit weniger als 10 Millionen Euro investiert.
Sie hatte Madoff nach einem Besuch in New York auf ihre interne schwarze Liste gesetzt und ihre Kunden vor einem Investment gewarnt.
Deutlich stärker betroffen ist die spanische Banco Santander, die eine sogenannte „Exposure“ von bis zu 3 Milliarden Dollar aufweist, laut Bloomberg möglicherweise auch 3,6 Milliarden.
Die Investitionen erfolgten durch das Tochterunternehmen Optimal, das insgesamt rund 10,5 Milliarden Euro verwaltet. Auf eigene Rechnung hat Santander nur 17 Millionen investiert.
Die nach Santander zweitgrößte Bank Spaniens, die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA, verneinte, in Madoff investiert zu sein.
Nach Angaben der Bank von Portugal beläuft sich der dortige Schaden auf mindestens 67 Millionen Euro, wobei 18 Millionen von Banken getragen werden müssen. Die portugiesische Regulierungsbehörde geht allerdings von mindestens 76 Millionen aus.
In Großbritannien ist Bramdean Alternatives, das über 9 % seines Kapitals bei Madoff eingesetzt hatte, von hohen Verlusten bedroht. Auch die Royal Bank of Scotland fürchtet Verluste von 400 Millionen Euro, wie AP meldet. Die HSBC (Hongkong and Shanghai Banking Corporation) ist, wie am 15. Dezember die Financial Times meldete, besonders betroffen, denn sie ist mit rund einer Milliarde Dollar investiert.
Die japanische Nomura meldete Verluste von rund 225 Millionen Euro, und auch Aozora ist mir mindestens 137 Millionen Dollar bei Madoff investiert.
Nach einer Auflistung diverser Medien ergeben sich mit Stand vom 15. Dezember 2008 folgende Verluste:
| Name |
Land |
Verlust in Millionen US$ |
| Fairfield Greenwich |
USA |
7.300 |
| Banco Santander |
Spanien |
3.600 |
| Kingate Management |
USA |
2.800 |
| HSBC |
Großbritannien |
1.200 |
| Benbassat & Cie |
Schweiz |
935 |
| Union Bancaire Privée |
Schweiz |
850 |
| Natixis |
Frankreich |
450 |
| Fix Asset Management |
? |
400 |
| Reichmuth Matterhorn |
Schweiz |
330 |
| Maxam Capital |
USA |
280 |
| EIM Group |
Schweiz |
230 |
| Shapiro Foundation |
USA |
145 |
| Banque Bénédict Hentsch |
Schweiz |
48 |
| Madoff Family Foundation |
USA |
18 |
Kundenfang
Madoff hat die Anwerbung immer neuer Investoren bis zuletzt persönlich betrieben, doch hat ein Teil der von ihm Angeworbenen weitere Investoren angesprochen. Unter ihnen ist der am härtesten von Verlusten betroffene die Fairfield Greenwich Group. Diese Gruppe verwaltete seit Anfang der 80er-Jahre Investorengelder im Umfang von 14,1 Milliarden Dollar.
Geleitet wurde sie von Walter Noel, dessen vier Schwiegersöhne, die aus Kolumbien, der Schweiz und Italien stammen, nach einem Beitrag des International Herald Tribune die Anwerbung von Neukunden in Europa und Südamerika betrieben.
Das Unternehmen gab an, 7,5 Milliarden Dollar verloren zu haben, was vor allem auf den Fairfield Sentry fund zurückzuführen ist, der ausschließlich bei Madoff investierte. Von den Investoren verlangte es 1 % der Einlage, dazu 20% von den Gewinnen.
Die in Manhattan ansäßige Fairfield-Greenwich-Gruppe arbeitete wiederum mit Jeffrey Tucker, einem ehemaligen Angestellten der Securities and Exchange Commission zusammen, sowie Andrés Piedrahita, dem Ehemann von Corina Noel, einer der fünf Töchter von Walter Noel. In Italien warb Lisina Noels Ehemann, Yanko Della Schiava, im schweizerischen Lausanne Alix Noels Ehemann Philip Toub.
Andere „Zubringer“, wie J. Ezra Merkin und sein Ascot Partners fund oder Gerald Breslauer aus Los Angeles, die für Steven Spielberg und Jeffrey Katzenberg investierten, vereinnahmten 1,5 % der Anlagesummen. Auch gegen Merkin und Ascot soll Anklage erhoben werden.
Mißstände bei der Börsenaufsicht
Christopher Cox, der Leiter der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) äußerte am 16. Dezember, er sei sehr besorgt darüber, daß über Jahre „glaubhafte und gezielte Anschuldigungen“ und Hinweise auf das betrügerische Verhalten des ehemaligen NASDAQ-Verwaltungsratschefs nicht nachgegangen worden sei. Die ersten Hinweise stammen aus dem Jahr 1999.
Cox, der erst im Juni 2005 Leiter der SEC geworden ist, ließ eine Untersuchung des Vorgangs einleiten.
Dabei steht laut obigem Bericht der Times auch die Beziehung in Rede, die zwischen der Nichte Madoffs, Shana Madoff, und dem leitenden SEC-Angestellten Eric Swanson bestand, die 2007 heirateten. Swanson hatte von 1996 bis 2006 bei der SEC gearbeitet.
Der gewählte US-Präsident Barack Obama äußerte sich zu dem Skandal mit den Worten, der Fall „hat uns erneut daran erinnert, wie dringend Reform nötig ist“ („has reminded us yet again of how badly reform is needed“).
(Quelle: Wikipedia)
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